HEIMISCHE SCHLANGEN

 

ÄSKULAPNATTER - Zamenis longissimus

Vorkommen / Verbreitung:

Inselförmige Regionen innerhalb der gesamten Steiermark bis in eine Seehöhe von rund 1500 m. Die Äskulapnatter ist mit Abstand die größte unserer heimischen Schlangen und gilt, zusammen mit der Schling- oder auch Glattnatter, als Landschlange. Man trifft sie vorwiegend an sonnenreichen Hanglagen mit ausgedehnten Wiesenflächen. Die Populationen sind innerhalb der Steiermark sehr unterschiedlich, vor allem "inselförmig" angelegt. So ist z.B. der nördliche Teil von Graz und Graz Umgebung eine typische "Äskulap-Region". Die Äskulapnatter hat im Gegensatz zu den anderen heimischen Nattern einen recht großen Aktionsradius. Vor allem in warmen Sommernächten kommt es zu sehr langen Wanderungen, wobei sie jedoch immer wieder zu ihren angestammten Plätzen zurückkehrt. Die Äskulapnatter ist in den letzten Jahren verstärkt zum Kulturfolger geworden. Immer öfter werden die Tiere in Siedlungsgebieten gesichtet und dringen mitunter auch in die Wohnräume des Menschen vor.

Erreichbare Größe:

Mit einer Körperlänge von knapp über 200 cm und einem Rumpfdurchmesser von bis zu 5 cm ist die Äskulapnatter die größte, in der Steiermark heimische, Schlange. Immer wieder erreichen uns auch Meldungen über noch größere Tiere (250 cm - 300 cm) die wir hier aber nicht bestätigen wollen, da es sich dabei immer nur um Sichtungen und damit verbundene Schätzungen handelt. Definitiv bestätigen können wir eine Körperlänge von 205 cm. Ein größeres Tier ist uns selbst bisher nicht untergekommen.

Erreichbares Alter:

Die maximale Lebenserwartung einer Äskulapnatter in freier Natur bewegt sich zwischen 18 - 21 Jahre. Vorraussetzung ist ein optimaler Lebensraum und ein ausreichendes Nahrungsangebot. Die meisten Tiere überleben, wie auch alle anderen Jungschlangen, die ersten 3 Jahre nicht, da sie zum Nahrungsspektrum von Vögel und anderer Fressfeinde gehören. Mit zunehmender Größe wird jedoch die Bedrohung des Gefressenwerdens immer geringer.

Nahrung:

Vorwiegend Mäuse, kleine Ratten und Vögel. Als willkommene Abwechslung stehen auch Vogeleier auf dem Speiseplan. Die erbeutete Nahrung wird entweder sofort lebend und im Ganzen verschlungen oder, vor allem bei größeren Beutetieren, zuerst erwürgt und erst dann verzerrt.

Aktivität:

Die Aktivität der Äskulapnatter ist, wie bei allen anderen Schlangen, witterungs- und temperaturabhängig. Grundsätzlich muss man sie sowohl als Tag- als auch Nachtaktiv einstufen. Im Frühjahr und Spätsommer, wenn die Nächte kühler sind, trifft man sie fast nur tagsüber an warmen sonnigen Plätzen an. Im Hochsommer jedoch nutzt sie vermehrt die warmen Nächte, um ausgibige Wanderungen zu unternehmen. Sie legt dabei, für Schlangen relativ enorme Strecken zurück. Da Schlangen aufgrund ihres langsamen Stoffwechsels rasch ermüden, ist diese Leistung umso Bewundernswerter.

Winterruhe:

Von ca. Mitte / Ende Oktober bis Ende März / Anfang April bei einer Temperatur von 5 - 8 Grad.

Fortpflanzung / Paarung:

Die Paarung erfolgt nach der Winterruhe in den Frühlingsmonaten je nach Witterung zwischen April und Mai. Die Eiablage erfolgt rund 2 Monate später an Plätzen wo durch organische Zerfallsprozesse ausreichend Wärme für die Brut erzeugt wird. Das sind im Normalfall Laub-, Kompost-, Kuh- und Pferdemisthaufen sowie Stroh- und Heuballen. Es kommt jedoch, vor allem in Siedlungsgebieten, immer wieder zu Eiablagen innerhalb von Gebäuden. Dabei nutzen die Tiere warme Lüftungsschächte, Wintergärten, Glashäuser oder warme Kellerräume die über eine ausreichende, konstante Temperatur verfügen. Der Schlupf der Jungtiere erfolgt rund 2 Monate nach der Eiablage, im Normalfall von Anfang Juli bis Mitte September. Dabei kann es immer wieder vorkommen, dass zu spät geschlüpfte Jungtiere auf Grund der Witterung sich ohne Nahrungsaufnahme in Winterruhe begeben und erstmals im darauffolgenden Frühjahr erstmals Nahrung aufnehmen.

Verhaltensmerkmale bei einer Bedrohung:

Die Äskulapnatter geht, wie alle heimischen Schlangen, dem Menschen grundsätzlich aus dem Weg, wobei ihre Fluchtdistanz sehr gering ist. So lässt sie den Menschen mitunter schon mal auf 2 - 3 m heran, bevor sie sich davonschlängert. Im Gegensatz zur Ringelnatter sucht sie ihr Heil während der Flucht nicht immer unter der nächstbesten Wurzel, unter Steinen oder in Erdhöhlen, sonder kriecht der Bedrohung so weit wie möglich davon. Bei einer direkten Bedrohung versucht sie sich mit Abwehrbissen zu retten, wobei der Biss für den Menschen harmlos ist. Bei Bissen von größeren Tieren kann es jedoch zu leichten Blutungen an der Bißstelle kommen, die für den Menschen immer ohne Folgen bleiben. Gegenüber ihren Fressfeinden verteidigt sich die Äskulapnatter ebenso ausschließlich mit Abwehrbissen. Ein "Totstellen" oder "Entgegenspeien" ihrer Nahrung, wie es von der Ringelnatter bekannt ist, ist uns als Abwehrreaktion nicht bekannt.

Sonstiges / Nennenswertes:

So wie bei allen Schlangen, gibt es auch bei der Äskulapnatter regionale Unterschiede was ihre Farbe und Zeichnung betrifft. Ihre Farbe kann von gelblich, gelblich-braun, braun, olivgrün, graubraun und grünbraun bis zu schwarz variieren. Ebenso kann ihr Schuppenkleid stark, wenig oder gar nicht gesprenkelt sein. Die Unterseite (Bauch) ist jedoch vorwiegend gelblich bis fahlgelb gefärbt. Frisch geschlüpfte Äskulapnattern und Jungtiere können sehr leicht mit der Ringelnatter verwechselt werden, da auch sie die für die Ringelnatter typischen Nackenflecken besitzen (siehe Foto nebenan). Die Äskulapnatter ist übrigens das Symbol der Ärzte und Apotheker (Äskulapstab)

Schutzstatus:

Äskulapnattern stehen, so wie alle heimischen Schlangen, unter strengstem Schutz. Die Tiere dürfen nicht gefangen, der Natur entnommen oder getötet werden. Ebenso ist das Umsiedeln der Tiere durch Privatpersonen verboten.

Äskulapnatter - Steiermarks größte Schlange
Kopf einer ca. 6 Jahre alten Äskulapnatter. Auch hier deutlich zu erkennen: Runde Pupillen welche ein eindeutiges Merkmal aller heimischen Nattern sind. Hinweis: Kreuz- u. Höllenottern haben geschlitzte Pupillen!
Kopf einer jungen Äskulapnatter - gut zu erkennen sind die beiden Nackenflecken die nur die Jungtiere besitzen. Deshalb werden sie immer wieder mit der Ringelnatter verwechselt. Bei adulten Tieren gehen die Nackenflecken wieder verloren oder sind nur schwach zu erkennen.
Junge Äskulapnatter - auf den ersten Blick leicht mit der Ringelnatter zu verwechseln
Erwachsene Äskulapnatter - Keine Ähnlichkeit zur Ringelnatter mehr erkennbar.
Unterseite (Bauch) einer Äskulapnatter - sie ist vorwiegend gelblich gefärbt.
Maul einer Äskulapnatter - schön zu sehen sind die beiden Zahnreihen sowie die Luftröhrenöffnung
Auch hier sind die Zähne deutlich zu erkennen. Sie dienen ausschließlich dem Festhalten der Nahrung und können beim Menschen aufgrund ihrer geringen Größe niemals nennenswerte Verletzungen verursachen.
   

 

 

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