Bissunfall in Bad Mitterndorf



Am Freitag, 21. September 2007, ereignete sich in Bad Mitterndorf ein Bissunfall mit einer hochgiftigen Bitis arietans (Puffotter).
Nach den unzähligen und voneinander abweichenden Berichten in den Medien erreichten uns unzählige Anrufe von Leuten, welche sich über den Ablauf der Geschichte informieren wollten oder auf Fehler in der Berichterstattung hinwiesen (z.B. Serum nur in Klagenfurt erhältlich).
 

Hier nun einige Fakten zum wahren Sachverhalt dieses schweren Bissunfalls!
(von Heinz Hubmann, welcher von Anfang an in die Geschichte involviert und vor Ort war)
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Liebe Leser unserer News!


In diversen Medien wurde dieser Unfall völlig unterschiedlich und teilweise sonderbar verdreht oder schlichtweg unwahr dargestellt. Dem wahren Sachverhalt am nächsten kommt die Zeitung ÖSTERREICH, dicht gefolgt von der steirischen KRONENZEITUNG.

Keinesfalls werde ich die Berichterstattung aufwärmen, es ist genug darüber geschrieben worden und jeder kann sich seine Meinung bilden.
Aber ich möchte über einige Fakten sprechen, die, obwohl sehr wichtig, in keiner Zeitung geschrieben wurden.

Das Opfer ist eindeutig der Junge Mann der wohl leichtgläubig die Gefahr unterschätzt hat und seinen Leichtsinn mit unvorstellbaren Schmerzen und Todesangst bezahlt hat.
Der Täter ist keinesfalls die Schlange (die handelt rein Instinktiv und ohne Bösartigkeit), sondern eindeutig der private Verkäufer dieser Schlange. Er hat dem jungen Mann, der als Anfänger leicht zu erkennen war, eine hochpotente Giftschlange verkauft ohne ihn über die zu erwartenden Risiken und schwerwiegenden Folgen eines derartigen Bisses aufzuklären.
Jeder verantwortungsbewusste seriöse Züchter hätte von einem Verkauf einer derart hochgiftigen „Anfängerschlange“ Abstand genommen.

Es haben alle namhaften Zoos und auch private Giftschlangenhalter in der Steiermark, Kärnten und Salzburg natürlich sofort ihre Hilfe und ihren Vorrat an Antiserum angeboten, um dem Mann zu helfen. Leider lag es nicht in der Absicht der Medien dies zu erwähnen.
Somit bedanke ich mich recht herzlich im Namen der Mutter, Schwester und Freundin bei all jenen, welche ihre sofortige Hilfe anboten!
Obwohl ich weiß, dass für die Experten eine derartige Hilfeleistung selbstverständlich ist und nicht groß gefeiert werden muss.

Es gab schon immer Menschen die sich für Schlangen interessieren, daher weiß man heutzutage schon sehr viel über die Lebensweise dieser nützlichen Gleichgewichthalter in der Natur. Jeder fängt einmal an. Der Junge Mann hatte noch nicht die notwendige Erfahrung und hat für seinen Fehler bezahlt.

Bisher noch nirgendwo erwähnt, jedoch absolut  lobenswert ist die Leistung des behandelnden Arztes im LKH  Graz - Herr Dr. Kaufmann - der in seiner  Dienstzeit noch nie mit einem derartigen Fall konfrontiert wurde. Sein Anruf beortete mich ins LKH. Ich brachte das erste Antiserum mit und gab Auskunft über die Wirkungsweise und Gefährlichkeit des Giftes sowie mögliche Auswirkungen (zwischenzeitlich traf auch das Antiserum vom Kärntner Reptilienzoo Happ ein und auch das Rettungsfahrzeug mit dem Verletzten).
Herr Dr. Kaufmann wusste nun um die Gefährlichkeit dieses Bisses und reagierte sofort um mit geeigneter Dosierung des Antiserums dem Gift entgegenzuwirken und alle erforderlichen zusätzlichen Maßnahmen einzuleiten.
Er trug in diesem Fall die Verantwortung und nur seiner raschen konsequenten Entscheidung verdankt Helmut sein Leben und wird dadurch diesen lebensbedrohlichen Unfall ohne Folgeschäden überstehen.


Nachtrag:
Reptilien sind weltweit vom Aussterben bedroht. Schuld daran ist keinesfalls, wie oft behauptet, der Handel mit diesen Tieren – sondern die Ausbreitung des Menschen und die fortschreitende, unaufhaltbare Zerstörung der Lebensräume.
Auch Giftschlangen sind einfach nur Tiere welche in der Natur eine wichtige Aufgabe erfüllen. Ihr Gift ist keinesfalls dazu da Menschen zu gefährden sondern dient ausschließlich dem Nahrungserwerb und der Verdauung der Beute.
Neuesten Studien zufolge werden in 20 Jahren 60%  der heute noch lebenden Reptilien ausgestorben sein und unsere nachfolgenden Generationen werden diese nützlichen und interessanten Tiere wohl nur mehr in gesicherten Lebensräumen diverser Institutionen erleben. Erst wenn der Mensch mit seinem überragenden Intellekt an seiner zerstörerischen und profitträchtigen Lebensweise scheitert und lernt im Einklang mit der Natur zu leben, werden Reptilien wieder eine reelle Chance bekommen.

Darum halte ich Forschung, Wissensverbreitung und Aufklärung für einen wichtigen und unverzichtbaren Faktor unserer heutigen Auseinandersetzung mit der Natur.

Heinz Hubmann
(SV. für Reptilien)




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