Schlangenchaos - Reptiliennotdienst überfordert !

In bis zu 30 Hilferufen täglich versuchen wir den Leuten zu helfen und  - wenn die Diplomatie versagt - die Schlangen zu fangen und umzusiedeln.
Einsatzorder der Grazer Rettung nach einem Bissunfall / Hotelanlage wird von Schlangen geradezu überschwemmt / Eine Familie will ihr schönes Haus verkaufen, da sich vor der Haustür und auf der Terrasse Schlangen tummeln / Grenzpolizei entdeckt nicht heimische Schlange usw.. Diese Liste könnte endlos weitergeführt werden.

Eigentlich verrichten unsere heimischen Schlangen ihre nützliche Arbeit meist im Verborgenen. Jedoch aufgrund des verspäteten und außergewöhnlich kühlen Sommeranfangs haben es die Tiere nun sehr eilig, heuer doch noch ihr von der Natur vorgegebenes Soll zu erfüllen (Partnersuche, Paarung und Eiablage). Um ihre von der Natur zugewiesene Aufgabe der Schädlingsbekämpfung erfolgreich bewältigen zu können, brauchen Schlangen (als wechselwarme Tiere) nun viel Wärme (Sonne), um die aufgenommene Nahrung zu verdauen.

Obwohl die Populationsdichte eher abgenommen hat, da viele Tiere aufgrund des ungewöhnlich strengen und langen vorangegangen Winters während der Hibernation* (Winterruhe) verstarben, treffen wir heuer aus obengenannten Gründen häufiger auf diese Tiere, als in den Jahren zuvor.

Unsere vier harmlosen heimischen Schlangenarten (Ringel-, Äskulap-, Schling- und Würfelnattern) stellen in keinster Weise eine Gefährdung für den Menschen dar. Auch infolge eines eventuell erfolgten Bisses einer dieser Schlangen entstehen, außer möglicherweise auftretender psychosomatischer Reaktionen oder Schock (Aspekt des plötzlichen Zuschnappens), keinerlei Schädigungen oder gesundheitliche Beeinträchtigungen.


Erklärung: Die kleinen Zähne sind nicht zum zerkauen, sondern nur zum Festhalten und zum in den Schlund befördern der Nahrung geeignet. Der Speichel besteht aus einer wasserähnlichen Flüssigkeit, die nur die Beförderung der Beute in den Magen erleichtert.


Die in der Steiermark lebende Kreuzotter (Giftschlange) bewohnt ausschließlich Höhenlagen ab ca. 800 m. Sie führt hier eine sehr zurückgezogene Lebensweise und kommt nur in wenigen Ausnahmefällen mit Menschen in Kontakt. Ihr Gift ist nicht sehr stark und kann einen gesunden Erwachsenen wohl kaum ernstlich gefährden. Trotzdem muss nach einem Kreuzotternbiss sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, um einer eventuell vorhandenen Fremdeiweißallergie entgegenzuwirken. Wichtig ist es, das Tier sofort und eindeutig zu identifizieren, da sogar nach dem Biss einer harmlosen ungiftigen Schlange, durch die psychosomatische Reaktion des Gebissenen, häufig Symptome auftreten können, die dem eines Giftbisses ähneln und somit dem Arzt die korrekte Behandlung erschweren.

Für solche oder ähnliche Fälle hat der Reptiliennotdienst Stmk. eine mobile Informationszentrale. rzh@gmx.at eingerichtet. Durch das senden eines Fotos (auch Handyfoto) erhalten sie schnellstens alle notwendigen Informationen über die Schlange. Zusätzlich finden Sie auf der Homepage des Herpetologischen Zentrum Stmk. www.reptilien.com/herpzentrum alle Informationen über heimische Schlangen und unter der Rubrik Tierbestimmung auch Hilfe bei der Selbstbestimmung.

*Hibernation: Auch Winterschlaf - Schlafähnlicher Zustand. Dabei werden Atmung, Kreislauf und Körpertemperatur stark reduziert und dadurch der Energieverbrauch minimal gehalten.
 
 Mit freundlichen Grüßen

 Heinz Hubmann

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