Bitte an Tierärzte!

Reptilienkundige Tierärzte zu finden ist nicht so einfach. Es gibt nur wenige, welche Reptilien überhaupt annehmen, doch Tierärzte, die sich tatsächlich mit diesen Tieren auskennen, sind leider kaum zu finden. Es ist zu hoffen, dass im Rahmen des Veterinärstudiums neue Studienpläne eine Ausbildung auch auf dem Gebiet poikilothermer Tiere ermöglichen! Hier sehe ich die Problematik, geeignete Ausbildner zu finden, zusätzlich sollte das Interesse an Reptilien und der Terraristik vorhanden sein, da mit einer dementsprechenden Ausbildung wohl kaum grosse Gewinne zu erzielen sind.

Um zweifelsohne bemühte Tierärzte nicht weiter zu verunsichern, möchte ich die zahllosen Negativerfahrungen vieler Terrarianer hier nicht im Einzelnen anführen. Egal welche ernsthafte Erkrankung das Tier auch haben mag, meist lautet die (großteils falsche) Diagnose nach einem kurzen und flüchtigen Blick auf das Reptil, ganz schlicht und einfach "Vitaminmangel", worauf dem Tier ein Vitaminpräparat verabreicht wird. Infolge einer ernsten Erkrankung bedeutet dies häufig den Tod des Tieres, da eine wirkliche Behandlung zu spät einsetzt - wenn es dem Pfleger gelingt geeignete Hilfe zu finden.

Immer wieder treffen wir auf Fälle, in welchen, ohne die Durchführung eines vorherigen Resistenztests, irgendwelche Antibiotika verabreicht werden. Zudem passiert es häufig, dass die Medikamente in falschen Dosierungen oder in falschen Zeitabständen, ohne den poikilothermen Kreislauf zu berücksichtigen, gegeben werden.

Völlig natürlich vorhandene körperliche Besonderheiten wurden als pathogen diagnostiziert und sollten operativ entfernt werden.
Nach einer  teuren  Geschlechtsbestimmung (Physignathus cocincinus), legte das "Männchen" 23 Eier!?

Die geringe Erfahrung am Reptil äußert sich nicht selten letztlich in der Empfehlung von technischen Einrichtungen wie Lampen, Strahlern und Zubehör, welche u.a. von diversen Firmen übers Internet angeboten werden. Kaum jemanden ist bewußt, dass all diese Lampen/Strahler etc, auch wenn sie in schönen bunten Schachteln unter abenteuerlichen Namen angeboten werden, aus dem "normalen" Elektrofachhandel stammen und nur zwecks besserer Vermarktung in einer eigenen Verpackung für den Zoofachhandel angeboten werden. Manche sind für Reptilien sicherlich geeignet, manch andere nutzen zwar nichts, schaden aber auch nicht weiter. Doch es gibt letztlich doch einige Produkte, die der Lebensweise und den Bedürfnissen der Tiere absolut nicht entsprechen und großen - vermeidbaren - Schaden anrichten können. Die vielfach noch angepriesenen Bodenheizungen finden in der fortgeschrittenen Terraristik zum Glück ohnedies kaum mehr Verwendung.

Daher treten wir an alle Tierärzte mit der Bitte heran, nicht Reptilienkrankheiten zu diagnostizieren oder zu behandeln, wenn man sich nicht wirklich damit beschäftigt hat, sondern Rat und Information bei erfahrenen Einrichtungen und Personen zu suchen. Persönliche Eitelkeiten sollten hier hinter das Wohl der Tiere gestellt werden.

Da diese Tiere meist nur aufgrund falscher Haltungsbedingungen krank werden, liegt es auf der Hand. dass umfassendes Wissen über die Herkunft, Klimabedingungen, Lebensraum und Lebensgewohnheiten notwendig ist, um erfolgreich behandeln oder präventiv wirken zu können. Informationen aus dem Internet oder div. Literatur können logischerweise auch nur von mit der Materie vertrauten und erfahrenen Terrarianern differenziert betrachtet und korrekt interpretiert werden.

Mein ganz besonderer Dank gilt all jenen Tierärzten, die sich bislang nicht scheuten, auch einmal um Rat zu fragen.

Durch die Zusammenarbeit mit einigen Tierärzten im In - und Ausland konnten schon viel Reptilien gerettet, bzw. erfolgreich behandelt werden.  

MfG Heinz Hubmann
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