Pogona vitticeps – Bartagamen

Augrund vieler Anfragen und unterschiedlichen Meinungen in diverser Fachliteratur zum Thema Bartagamen folgender Beitrag:

Es gibt mehrere Unterarten von Bartagamen. Ich möchte hier aber nur auf die Gattung Pogona vitticeps eingehen, da diese doch am häufigsten gehalten werden.
Bei der Anschaffung ist zu beachten, dass sie unbedingt blutsfremde Tiere erhalten. Die sehr starke Inzucht bei Bartagamen führt zu genetischen Fehlern, welche erst nach dem Schlupf oder im ersten Lebensjahr ihre Auswirkungen zeigen.

Bartagamen haben keine Autotomie. Das heißt,  jeder vorhandene Schwanzschaden bleibt. Schwanzschäden basieren zu 95 % auf Haltungsfehler. Kaufen sie sich keine solchen Tiere, damit sich die Züchter wenigstens hier mehr Mühe geben.
Es ist nur wenigen, sehr erfahrenen Züchtern und Händlern möglich, bei jungen Bartagamen das Geschlecht zu bestimmen. Bei grösseren Tieren steigt der Preis jedoch stark an.

Rote, gelbe, orangene Farben und farblose Tiere kommen auch in der Natur vor. Die Preise für die Tiere sind sehr hoch. Meist erhält man sogenannten künstliche Farbvarianten (z.B. sandfire), die auf amerikanischen Farmen gezüchtet werden.
Es gibt keine legalen Wildfänge, da die Ausfuhr aus Australien verboten ist. Dies ist seit Jahren das grösste Problem, da die genetische Vielfalt fehlt.
Bartagamen sollten daher sehr gut beobachtet werden, da es viele Inzuchttiere gibt, die ein sehr schwaches Immunsystem besitzen. Dies macht sich häufig mit Problemen bei der Kotabgabe oder bei der Häutung* bemerkbar.
 
*Vorbeugung von Häutungsproblemen. Einmal wöchentlich unter Aufsicht baden, die Tiere scheinen dieses Bad im 27° warmen Wasser zu genießen und es ermöglicht ihnen, va. in der Regenzeit, sich so richtig mit Wasser voll zu saugen.

Man sollte auch einmal täglich das Terrarium leicht besprühen. Ich empfehle dabei sehr behutsam vorzugehen, Unbedingt Osmose Wasser verwenden (im Fachhandel erh.), am Morgen, kurz nach dem einschalten der Wärmelampe sprühen, niemals ein Tier direkt besprühen und nur soviel, dass die Luftfeuchtigkeit wirklich nur kurzzeitig (für ca. ½ Stunde) erhöht wird, da eine permanent hohe Luftfeuchtigkeit den Lungen der Tiere schadet.

Füttern sollte man generell 70 % animalische und 30 % vegetarisches Futter. Im vegetarischen Bereich kann man etwas experimentiell umgehen, geeignet ist alles Gemüse (außer Kohl), bevorzugt werden Gemüsesorten die ausreichend Bitterstoffe enthalten. Sehr gerne nehmen Bartagamen alle Sorten von Salat (ungespritzt vom Garten)), so wie Paprika und Löwenzahn. Animalisches Futter wie Heimchen, Grillen, Zophobas bis zu Heuschrecken und Wachsmaden kann, dem Alter angepasst, gefüttert werden. Hin und wieder auch Babymäuse, jedoch nicht zu oft, da ein Überangebot von warmblütiger Nahrung von diesen poikilothermen Tieren nicht sehr gut vertragen wird und sie in ihrem natürlichen Lebensraum nur in Ausnahmefällen an Babymäuse gelangen. Die Futtertiere sollte man nicht einfach dosenweise ins Terrarium "kicken", sondern das Futter dosieren. Also kontrolliert füttern, es sollten niemals ungefressene Futtertiere im Terrarium verbleiben, da sie die Tiere belästigen oder sogar verletzen (Heimchen) können.

Bartagamen weisen ein sehr starkes Kommunikationsverhalten auf. Die Tiere scheinen im ständigen Kontakt zu stehen. Aber das wird ja in div. Büchern ausreichend beschrieben.

Hohe Temperaturen bringen die Bartagamen dazu; mit offenem Maul eine Art "Hecheln" zu praktizieren und sie verlassen erst sehr spät ihren Vorzugsplatz. Die Tiere versuchen sich dann auch im Sand abzukühlen. Deshalb halte ich auch eine Bodenheizung (wie für nahezu alle Reptilien) für Unsinn. (Damit widerspreche ich wieder einmal der sog. Fachliteratur und vielen Internetseiten).

Einer der wichtigsten Notwendigkeiten für ein gutes Knochenwachstum und somit gesunde Tiere ist, in Verbindung mit Calzium und Vitamin D³ (zB, Nekton MSA), der Einsatz von ausreichender UV-Bestrahlung. Dafür kommt aus meiner Sicht nur die Osram Ultra-Vitalux in Frage. Nur diese liefert ein ausreichendes Spektrum an UV-A, UV-B und UV-C.  Diverse Glühlampen und Leuchtstoffröheren, die unter den abenteuerlichsten  Namen angeboten werden,  haben leider nur eine sehr geringe Wirkung, welche für heliotrope Tiere bei Weitem nicht ausreicht. Leider erkennt man dies mitunter erst sehr spät, wenn bereits irreparable Schäden auftreten.


Unter geschlechtsreifen Männchen kommt es zu Machtkämpfen die mitunter zu Verletzungen führen, da dem unterlegene Tier im begrenzten Raum „Terrarium“, die Möglichkeit zur Flucht fehlt. Man sollte nie zwei Männchen in einem Terrarium halten, sondern besser  Gruppen von 1.3 - 1.5 Tieren. Halte ich auch für sinnvoller, da sich auch jeder Hobby-Terrarianer den Erfolg einer gelungenen Nachzucht gönnen sollte.

Bartagamen sind Augentiere. Sie beobachten und reagieren aktiv und mit Neugier auf ihre Umgebung. Man sollte deshalb auch keine weiteren grossen Echsen in einem Terrarium in Sichtweite halten.
 
Fazit: Bartagamen gehören nicht ohne Grund zu den beliebtesten Echsen in der Terraristik. Sie brauchen allerdings einige Grundbedingungen um artgerecht gehalten zu werden, sind jedoch zweifelsfrei sehr interessante Echsen und für Anfänger mit genügend Einfühlungsvermögen eine sehr gute Wahl.

08. März 2006

Heinz Hubmann
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