Abneigung gegen
Schlangen
Der
aufrecht gehende Mensch scheint eine tief sitzende Abneigung gegen
alles
Kriechende zu haben. Hier liegt wohl jene biologische Wurzel des
Abscheus, mit
dem die meisten Menschen den Schlangen begegnen. Bei vielen
Völkern und Kulturen gelten Schlangen ja als Symbole des Falschen
und
Bösen
schlechthin. Uns Menschen sind Tiere mit senkrechter Ausrichtung im
Allgemeinen
viel sympathischer als solche mit waagrechter Körperhaltung, wie
sie in
extremer Weise für die Schlangen bezeichnend ist. So genießt
beispielsweise der
Bär bei uns besondere Sympathie unter den Raubtieren; zweifellos
hängt das mit
seiner Fähigkeit zum aufrechten Gehen zusammen. Hunde und andere
Säugetiere
empfinden wir als niedlicher und ansprechender, wenn sie
"Männchen" machen. Auch
Vögel besitzen den aufrechten Gang - besonders
ausgeprägt bei den allgemein
beliebten Pinguinen. Und sogar bei den Fischen gilt diese
gefühlsmäßige
Einstellung des Menschen gegenüber Tieren: Kein Fisch hat eine so
weltweite
Volkstümlichkeit erlangt wie das (senkrecht orientierte)
Seepferdchen.
Studien
ergaben, dass der Mensch stets gleiches
oder Vergleichbares sucht. Schlangen und Spinnen weisen hierbei zu
starke Abweichungen von der Norm des Menschen auf und lassen sich daher
nicht oder nur schwer "vermenschlichen" (Schlangen fehlen die
Gliedmaßen und bewegen sich auf eine nahezu unheimliche Art, die
der
Mensch nicht in der Lage ist, nachzuahmen. Bei Spinnen wiederum fehlen
die sichtbaren Augen, die der Mensch zur Kontaktaufnahme dringend
sucht. (wir alle kennen das Gefühl, wie es ist, wenn jemand mit
dem wir
reden uns dabei nicht anschaut oder welche Hürden wir innerlich
überwinden müssen, wenn wir mit sehbehinderten Menschen
sprechen)
Es
ist also nicht die Giftigkeit mancher Schlangen verantwortlich zu
machen für
die fast allgemein zu beobachtende gefühlsmäßige
Ablehnung dieser Kriechtiere
durch den Menschen. Die Angst vor dem Biss einer Giftschlange hat
jedoch dazu
geführt, dass ausnahmslos alle Schlangen vom Menschen verfolgt und
umgebracht
werden, wann und wo immer sie sich zeigen. Viele dieser interessanten
Reptilien
haben unter dieser unnachgiebigen Nachstellung seitens des Menschen
stark gelitten,
umso mehr, als ihnen durch die fortschreitende Umwandlung der
Naturräume in
Nutzflächen auch zunehmend die Lebensgrundlage entzogen wird.
Somit
wird es immer wichtiger, informative Aufklärungsarbeit über
diese Tiere zu leisten.
Wir
sehen Schlangen nicht als Streicheltiere und wollen sie auch absolut
nicht "vermenschlicht" sehen. Es geht uns vielmehr darum, dass
man die
Tiere in ihrer "Andersartigkeit" begreifen lernt, ihnen mit Respekt und
Akzeptanz begegnet und über Ihr nützliches Leben in
unserer Natur lernt. Das sinnlose Totschlagen von Schlangen aus
Unwissenheit und anerzogener Angst sollte dann der Vegangenheit
angehören.
Heinz
Hubmann
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