Wissen und Vertrauen als Maßnahmen zum kontrollierten Umgang mit Abscheu und Angst im Biologieunterricht
(Gastkommentar von Dipl. Päd. und Biologe Herbert Kerschbaumsteiner)

Abscheu und Angst sind wie die Freude, Ärger und Lust ein Teil dessen, was wir als Emotionen bezeichnen, also Erlebniszustände, die mit Worten nicht genau umschreibbar sind. Jeder von uns kennt die verschiedenen Intensitätsgrade eines Angstzustandes, die sich von der Besorgnis und Angst über den Schrecken bis zum hin zum Affekt steigern können und damit rasch die Dominanz über den Intellekt gewinnen. Passivität, Zögern, Drückebergerei, aber auch Großsprecherei und aggressives Verhalten können häufig als Angstsymptome gedeutet werden.

In Unterrichtssituationen im Freiland trifft man diese Verhaltensmuster bei Begegnungen mit unbekannten oder „verrufenen“ Tieren wie Spinnen, Schlangen, Kröten, Käfern und anderen Insekten oder in Situationen, die ein gewisse Überwindung erfordern (Überqueren oder Durchqueren von Bachläufigen, morastigen Wiesenflächen, dichten Gebüschen usw.). Ausgelöst werden die Verhaltenssymptome durch die Erwartungsangst (also die Vorwegnahme der Angstsituation),  durch die Angst vor Misserfolg, Verletzung, Versagen, Blamage und Unbekanntem. Die Ängstlichkeit als häufigste Angstform kommt der Wiederholung eines früheren angstauslösenden Erlebnisses durch Abwehr und Vermeidungsverhalten zuvor, wobei diese einerseits auf eine angeborene Angstbereitschaft, viel häufiger jedoch auf vorurteilsbehaftete Erziehungspraktiken im Elternhaus zurückzuführen sind („Spinnen sind ekelig“, „Schlangen sind giftig“, „Krötensekret verursacht Warzen“, „Insekten sind schädlich“, „Erde ist schmutzig“ …).

Eine Maßnahme von vielen zur Reduzierung bzw. Vermeidung von Abscheu und Angst ist die Informationsbeschaffung in Form von Filmen, Büchern, Texten und Gesprächen, wobei durch die Bezugnahme auf ähnliche, bereits bekannte Erfahrungen, der Angst der Phantasieteil genommen wird. Dabei spielt das Vertrauen und die Vertrautheit eine wichtige Rolle („Ich traue mich auch, wenn du dich traust“, „Ich traue mich, weil ich der Lehrperson/dem Spezialisten vertraue“, „Ich vertraue darauf, dass das stimmt, was gesagt worden ist“, …). Das auf Kompetenz gründende Vertrauen führt so zur Überwindung von Vorurteilen und Erwartungsängsten. Das führt zu dem Ergebnis, das Kinder beispielsweise ungiftige heimische Schlangen im Rahmen einer Freisetzungsaktion mit bloßen Händen in die Natur entlassen oder beim Errichten eines Amphibienschutzzaunes ohne Scheu Kröten anfassen und damit vorgefasste Meinungen über Bord werfen, durch positive Erfahrungen ersetzen und somit an Eigenkompetenz und Selbstbewusstsein gewinnen.
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